
Es war einmal ein Kurfürst...
Sein Name war Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Er war der letzte Kurfürst und Landesherr von Hessen-Kassel aus dem Haus Hessen. Zur Errichtungszeit des Empfangsgebäudes des Wilhelmsbader Bahnhofs, war das Schloss Philippsruhe kürfürstliche Residenz. Das Bahnhofsgebäude wurde deshalb mit einem Fürstenzimmer als Wartebereich für die „allerhöchsten Herrschaften“ ausgestattet und des Weiteren auch nur von den vornehmen Kurgästen des damals noch florierenden Badeortes genutzt. Blaublütige und Adelige warteten, reisten an und ab und schlenderten einst durch dieses Gebäude.
Der Entwurf und die Erbauung des Wilhelmsbader Empfangsgebäudes stammen aus dem Jahr 1848 von dem Architekten und Generaldirektor für Staatseisenbahnen im Kurfürstentum Julius Eugen Ruhl. Er platzierte das Gebäude unmittelbar an der Kreuzung der Hochstädter Landstrasse mit der Burgallee, entlang der im gleichen Jahr neu eröffneten Privatbahnstrecke zwischen dem Hanauer Westbahnhof und dem Frankfurter Ostbahnhof. Durch die adeligen und vornehmen Reisenden wurde dem Prachtbau, anders als anderen Bauwerken, mehr Aufmerksamkeit zuteil.
Die Station wurde mit einem Mittelkompartiment versehen, das auch die Räumlichkeiten für den gebührenden Empfang der Fürstenfamilie und deren Gäste aufnahm. Der Wilhelmsbader Bahnhof war jedoch ein regulärer Haltepunkt der Bahnverbindung zwischen Hanau und Frankfurt, so dass sich in den eingeschossigen Flügeln die Wartesäle der 1. und 2. Klasse und auch der dritten und vierten Klasse befanden. Die Errichtungszeit des Empfangsgebäudes fällt in den Übergang des bis dahin vorherrschenden Klassizismus mit seiner Anwendung antikischer Formen, zum Historismus, der sich durch die Verwendung der verschiedensten Stile nebeneinander kennzeichnet.
Ganz im Sinne seiner Zeit realisierte J.E. Ruhl den Bahnhof in einem der historistischen Stile, dem Rundbogenstil. Dieser spielte eine bedeutende Rolle im Bahnhofsbau, da seine Ausbreitung fast zeitgleich mit der Entstehung der ersten Bahnlinien geschah. Steingewölbe und Bogenstellungen über allen größeren Öffnungen sind kennzeichnend für den Rundbogenstil. Ruhl errichtete in dieser Zeit eine weitere Anzahl von Bahnhofsgebäuden in Hessen und Niedersachsen.
In den 1990er Jahren wurde das Gebäude privatisiert und von Grund auf saniert unter Beibehaltung der originalen Bauteile. Seit 1994 wird das Wilhelmsbader Empfangsgebäude als historisches Gasthaus und Biergarten genutzt. Die Fürsten und vornehmen Kurgäste leben noch in der Geschichte des Hauses. Und durch die Restauration 2007 bleibt ein Teil dieser Geschichte Hanaus erhalten.
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